Subjektives Gegebensein von Denkinhalten als unbezweifelbarer Sachverhalt

Descartes sagt: es gibt ein Ergebnis, weil es letztlich unbezweifelbare Sachverhalte gibt. (Diese sind besonderer Art, wie wir sehen werden.) Zunächst ist sehr vieles prinzipiell bezweifelbar. Die Möglichkeit des Irrtums besteht in sehr vielen Fällen. Die Wirklichkeit äußerer Gegenstände ist sogar generell bezweifelbar. Aber die subjektive Gegebenheit von Gedanken und die Existenz eines denkenden Subjekts ist gewiß, - sonst könnte nicht das Exerzitium des methodischen Zweifels stattfinden.

Treten wir der Sache näher! - Es besteht die Möglichkeit, "dem nicht ganz Gewissen und Erforschten unsere Zustimmung zu versagen und uns so vor jedem Irrtum zu schützen", schreibt er in 6 seiner Principiae Philosophiae (1644 in Amsterdam erschienen). Er spielt auf eine alte skeptische Empfehlung an: Wer nicht urteilt, der irrt nicht, meinte Pyrrhon aus Elis, der Skepsis als Weg zur Gemütsruhe empfahl. Descartes lehrt eine andere Art von Skepsis: die sich selbst überwindende: Wer sein Urteil zurückhält und nur Unbezweifelbares gelten läßt, der merkt, daß es tatsächlich etwas Unbezweifelbares gibt und hat damit das Fundament aller menschlichen Erkenntnis entdeckt:

" ... indem ich erkannte, daß diese Wahrheit: "ich denke, also bin ich" so fest und sicher ist, daß die ausgefallensten Unterstellungen der Skeptiker sie nicht zu erschüttern vermöchten, so entschied ich, daß ich sie ohne Bedenken als ersten Grundsatz der Philosophie, die ich suchte, ansetzen könne." (Discours de la Methode, IV, 1)

"Gedanken sind in mir, es gibt mich", dieser Sachverhalt ist demnach für Descartes eine unbezweifelbare Tatsache der gesuchten Art. Wir besitzen damit das Paradebeispiel für eine Wahrheit, die dem genannten Wissenschaftsideal entspricht: unsere eigenen Gedanken sind uns in ihrer subjektiven Gegebenheit bewußt, bzw. anders formuliert: die Wirklichkeit des denkenden Subjekts ist unbezweifelbar, gewißheitsfähig und damit strikt bewiesen. Wer alles in Zweifel zieht, woran man zweifeln kann, dem bleibt die subjektive Gewißheit von subjektiv gegebenen Gedanken in ihm selbst:

"Indem wir so alles nur irgend Zweifelhafte zurückweisen und es selbst als falsch gelten lassen, können wir leicht annehmen, daß es keinen Gott, keinen Himmel, keinen Körper gibt; daß wir selbst weder Hände noch Füße, überhaupt keinen Körper haben; aber wir können nicht annehmen, daß wir, die wir solches denken, nichts sind; denn es ist ein Widerspruch, daß das, was denkt, zu dem Zeitpunkt, wo es denkt, nicht existiert. Demnach ist der Satz: Ich denke, also bin ich [ego cogito, ergo sum] die allererste und gewisseste aller Erkenntnisse, die sich jedem ordnungsgemäß Philosophierenden darbietet." (Principia, 7)